Überlebende

Stalkerware erkennen, entfernen und verhindern

Was ist Stalkerware?

Als Stalkerware werden Tools – Softwareprogramme, Apps und Geräte – bezeichnet, mit denen eine andere Person, häufig ein Partner oder Familienmitglied, heimlich Informationen über die Telefonaktivitäten einer Person beziehen und aufzeichnen kann. 

Stalkerware kann vom Täter als Tool verwendet werden, um Überlebende oder Opfer weiter zu verfolgen, zu überwachen, zu stalken und zu belästigen. Für den Einsatz von Stalkerware sind keine besonderen technischen Kenntnisse erforderlich und der Täter muss kein „geübter Hacker“ sein, um damit die Aktivitäten seiner Opfer auszuspionieren. Man kann Stalkerware ganz leicht kaufen und installieren. Stalkerware wird meist auf Mobiltelefonen installiert, es gibt aber auch Versionen für Desktops, Laptops (einschließlich Macbooks) und Tablets.

Stalkerware ist eine Form des technologiegestützten Missbrauchs, die oft nur ein Teil eines größeren Missbrauchsmusters ist, innerhalb dessen noch weitere Technologien missbräuchlich eingesetzt werden. Denn man darf nicht vergessen: Neben der Stalkerware gibt es auch noch andere Möglichkeiten, um die Online-Aktivitäten einer anderen Person mitzuverfolgen. Informationen zu weiteren Formen des technologiegestützten Missbrauchs finden Sie auf der Webseite von NNEDV (in englischer Sprache). Wenn Sie vermuten, dass jemand Ihre Online-Aktivitäten mit oder ohne Stalkerware mitverfolgt, sollten Sie, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, ein Hilfsprogramm für Überlebende oder eine Strafverfolgungsbehörde kontaktieren, um herauszufinden, was vor sich geht. 

Stalkerware wird gelegentlich auch als Spyware bezeichnet. Spyware ist der Oberbegriff für kommerziell erhältliche Stalkerware, umfasst aber auch Tools, die von Regierungen und Kriminellen eingesetzt werden, um bestimmte Personen und Organisationen auszuspionieren. Diese letztere Klasse von Spyware ist für den Normalbürger nicht zugänglich und wird auf dieser Webseite auch nicht behandelt.


Wie kann ich erkennen, ob Stalkerware auf meinem Gerät installiert ist?

Auch wenn „ungewöhnliches Verhalten“ eines Geräts (wie z. B. ein sich schnell entladender Akku, auffallend hoher Datenverbrauch, unerklärliche Zunahme der Bildschirmzeit in der Wochenübersicht und merkwürdige Benachrichtigungen) ein Anzeichen für Stalkerware sein könnte, ist das kein Muss, denn es gibt auch Stalkerware, die ohne derlei Nebenwirkungen funktioniert.

Daher sollte man sich vor allem auf sein Bauchgefühl verlassen: Das offensichtlichste Anzeichen einer Überwachung zeigt sich im veränderten Verhalten des Täters. Wenn er zum Beispiel zu gut über Ihre Telefonaktivitäten Bescheid weiß und es dafür keine schlüssige Erklärung gibt.

Es kann hilfreich sein, eine Art Tagebuch zu solchen Vorkommnissen zu führen. Damit lassen sich später Muster erkennen und der Verlauf der Geschehnisse nachvollziehen, wenn Sie sich entscheiden, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten oder Unterstützung bei einem Hilfsprogramm für Überlebende zu suchen.

Gute Antiviren-Produkte sollten in der Lage sein, Stalkerware weitgehend zu erkennen; wenn Sie noch kein solches Programm haben, können Sie es kostenlos bei einem der Partner der Koalition herunterladen und Ihr Gerät scannen. Auch wenn es an sich sinnvoll ist, das Antiviren-Programm installiert zu lassen, um künftige Stalkerware zu erkennen, können Sie es nach dem Scan auch wieder deinstallieren, wenn Sie sich damit nicht wohl fühlen.

Die Clinic to End Tech Abuse (CETA) hat einen Leitfaden im PDF-Format (in englischer Sprache) zusammengestellt, wie Sie ein Android-Gerät auf Apps überprüfen können, die versteckt sind und/oder außerhalb des offiziellen App-Stores installiert wurden (was bei Stalkerware normalerweise der Fall ist).

Einige Stalkerprogramme für iPhone und iPad verschaffen sich Zugang zu Daten aus Gerätesicherungen, die in der iCloud abliegen. Wenn Ihr Gerät für die Sicherung in iCloud konfiguriert ist, Sie diese Funktion aber nicht selbst aktiviert haben, hat das möglicherweise jemand anderes in böser Absicht getan. Gehen Sie zur Überprüfung in die „Einstellungen“ und tippen Sie auf Ihren Namen. Blättern Sie nach unten und tippen Sie auf Ihr Gerät, um zu prüfen, ob „iCloud Backup“ aktiviert ist.


Wie kann ich Stalkerware von meinem Gerät entfernen?

Bevor Sie daran gehen, Stalkerware von Ihrem Gerät zu entfernen, sollten Sie die folgenden vier Punkte bedenken:
  1. Wenn Sie Opfer von digitalem Stalking sind, gibt es dafür auch andere Möglichkeiten als Stalkerware. In diesem Abschnitt geht es aber lediglich um das Entfernen von Stalkerware. Weitere Details finden Sie in den vorangegangenen Abschnitten auf dieser Seite. Wenn Sie mögliche Stalkerware entfernen, ist es auch wichtig, diese anderen Möglichkeiten zu unterbinden. CETA bietet eine Seite mit Ressourcen (in englischer Sprache) mit einer kurzen und einer langen Checkliste, wie Sie sich von einem (Ex-)Partner trennen können.
  2. Wenn der Täter erkennt, dass die Stalkerware oder eine andere Überwachungsmöglichkeit entfernt und/oder wesentliche Änderungen vorgenommen wurden, könnte er den Missbrauch und die Belästigung ausweiten. Entfernen Sie Stalkerware nur, wenn Sie überzeugt sind, dass Sie sich dadurch nicht in Gefahr bringen.

    Wir empfehlen, einen Sicherheitsplan aufzustellen. Ein Sicherheitsplan ist ein individuell zugeschnittener Plan, um eine Person zu schützen. Der Plan ist einzig und allein auf die Situation der jeweiligen Person ausgerichtet. Die Pläne selbst sind dynamisch und flexibel und sollten durch den Einsatz eines sichereren Geräts und mit Hilfe eines vertrauenswürdigen Hilfsprogramms für Überlebende von einer der unten aufgeführten Organisationen weiterentwickelt werden.
  3. Zusammen mit der Stalkerware werden auch Beweise zu diesem Fall gelöscht. Wenn Sie Anzeige erstatten möchten, müssen Sie möglicherweise die Strafverfolgungsbehörden um Unterstützung bitten, da diese Beweise hilfreich sein könnten.
  4. Es ist gut möglich, dass der Täter die Stalkerware nach dem Entfernen erneut installiert. Im nächsten Abschnitt finden Sie einige Tipps, wie Sie verhindern können, dass Stalkerware auf Ihrem Gerät installiert wird.

Die beste Möglichkeit, Stalkerware loszuwerden, besteht darin, ein neues Telefon zu kaufen. Wem das zu teuer oder unsicher erscheint: Es gibt ein paar Hilfsprogramme, die Opfern von Missbrauch Telefone zur Verfügung stellen. In jedem Fall können Sie sich bei einer Beratungsstelle erkundigen, ob es solche Programme auch in Ihrem Land gibt. Auf der Ressourcen-Seite sind Anbieter vor Ort angegeben, die Ihnen weiterhelfen können. 

Fast genauso effektiv ist es, das Telefon auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. Auch wenn die Durchführung technisch nicht schwierig ist, sollten Sie einen Vertrauten oder die Servicestelle eines Mobilfunkanbieters um Hilfe bitten, wenn Sie technisch nicht so versiert sind, insbesondere um sicherzustellen, dass wichtige Daten wie Kontakte oder Fotos vor dem Zurücksetzen korrekt gesichert werden. Bei der Neuinstallation sollten Sie sich vergewissern, dass Sie nur die Apps installieren, die Sie wirklich brauchen und nutzen.

Die im vorherigen Abschnitt beschriebene Antiviren-Software kann ebenfalls Stalkerware von Ihrem Gerät entfernen.Unter Umständen können Sie die Stalkerware anhand des CETA-Leitfadens (PDF in englischer Sprache) auch manuell entfernen, wenn Sie auf Ihrem Android-Gerät auf versteckte und nicht aus offiziellen App-Stores bezogene Apps stoßen.


Wie verhindere ich, dass Stalkerware auf meinem Gerät installiert wird?

In der Regel muss jemand physischen Zugriff auf Ihr Gerät haben und es entsperren können, um Stalkerware zu installieren. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihr Gerät so einstellen, dass es bei Inaktivität schnell (am besten nach 30 Sekunden) gesperrt wird. Damit wird natürlich auch verhindert, dass jemand durch einfaches Öffnen des Telefons private Nachrichten lesen kann. Das National Network to End Domestic Violence bietet hierfür einen Leitfaden mit 12 Tipps zu Handysicherheit und Privatsphäre (in englischer Sprache) an.

Zum Entsperren Ihres Geräts können Sie entweder einen PIN-Code oder ein Passwort bzw. auf einigen Geräten auch einen Fingerabdruck oder die Gesichtserkennung verwenden. Wählen Sie PIN-Code oder Passwort grundsätzlich so, dass sie nicht leicht zu erraten sind. Das „National Network to End Domestic Violence“ hat ein Video (in englischer Sprache) erstellt, das zeigt, wie Sie Ihr Gerät mit einem Passcode schützen.

Überlegen Sie sich gut, an wen Sie Ihr Gerät aushändigen, insbesondere bei jemandem, den Sie in Verdacht haben, Ihre Aktivitäten mit einer Stalkerware überwachen zu wollen. Allerdings müssen Sie bedenken, dass dies möglicherweise keine sichere Option ist, wenn die missbrauchende Person von Ihnen verlangt, das Gerät auszuhändigen. Wenn Sie wissen oder vermuten, dass ein potentieller Täter Zugang zu Ihrem Gerät hatte, folgen Sie der oben genannten Anleitung zum Erkennen von Stalkerware.

Damit niemand auf Ihre wichtigen persönlichen Konten wie E-Mail und Social Media zugreifen kann, müssen Sie sie mit einem starken und eindeutigen Passwort schützen und, wenn möglich, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verwenden.

Das „National Network to End Domestic Violence“ bietet ein Überlebenskit (in englischer Sprache) an, das über den Technologie-Missbrauch aufklärt und Tipps und Strategien zur Sicherheitsplanung enthält. Auch CETA bietet verschiedene Leitfäden (in englischer Sprache) zur Absicherung Ihrer Konten. Darunter gibt es auch einen Leitfaden im PDF-Format zu Passwort-Managern, mit denen Sie viele eindeutige und starke Passwörter verwalten können. 


Wo finde ich Unterstützung, wenn ich Stalkerware auf meinem Telefon vermute?

Auf unserer Ressourcen-Seite finden Sie eine Liste von Organisationen, die Ihnen eventuell helfen können. Je nach Wohnort unterliegen viele Organisationen unterschiedlichen gesetzlichen Verpflichtungen, Hinweise auf Missbrauch an Ihnen oder Ihren Kindern der Kinderschutz- bzw. Strafverfolgungsbehörde zu melden. 


Hilfe holen

Unmittelbare Unterstützung bei Stalking oder Stalking-Verdacht

Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, den Verdacht hegt, ausspioniert, überwacht oder gestalkt zu werden, verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und suchen Sie nach einer Möglichkeit, sich gefahrlos über Ressourcen und Optionen vor Ort zu informieren. Bedenken Sie dabei, dass, wenn eventuell jemand Ihr Gerät überwacht, diese Person auch Ihre Suchanfragen nach Hilfe oder weiteren Informationen sehen kann. Wenn Sie vermuten, dass das der Fall sein könnte, verwenden Sie für Ihre Suche nach Informationen und Unterstützung ein anderes Gerät – eines, auf das die Person keinen physischen Zugriff hat. Wenn Sie sich in unmittelbarer Gefahr befinden, wenden Sie sich an die Behörden vor Ort.

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